Wie jedes Jahr zeigen die Künstlerinnen und Künstler des KulturEcks wieder einen Querschnitt ihrer Werke. Auch dieses Jahr ist das KulturEck wieder im Kulturkalender des Landkreises Regensburg gelistet. Die gemeinsame Klammer aller Veranstaltungen ist das Thema bewusst.sein, das wunderbar zu unserem Thema MenschenTräume – MenschenRäume passt.
In der diesjährigen Ausstellung Querschnitt setzen sich die Künstlerinnen mit Räumen, die wir Menschen uns schaffen oder vorfinden, auseinander. Sie spüren dem nach, wie unser Bewusstsein.sein von den Räumen geprägt wird und wir andererseits in einem bestimmten Bewusst.sein ganz bestimmte Räume schaffen, die unseren Wünschen nach einem besseren Leben nahe kommen.
Die Werke werden bestimmt durch folgende Überlegungen: Menschen gestalten Räume nicht nur als funktionale Orte, sondern als Spiegel ihrer inneren Welt. Städte, Häuser, Zimmer oder auch virtuelle Räume tragen Spuren von Bedürfnissen, Ängsten und Träumen. Gleichzeitig beeinflussen diese Räume wiederum das Denken und Fühlen der Menschen, die in ihnen leben. So entsteht ein fortlaufender Kreislauf zwischen innerer und äußerer Welt: Was im Bewusstsein entsteht, prägt die Räume – und was uns räumlich umgibt, beeinflusst unser Bewusst-sein.
„Bewusst-sein“ bedeutet dabei mehr als bloßes Wahrnehmen. Es umfasst die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren, eigene Wünsche zu erkennen und die Welt kritisch zu deuten. In diesem Bewusstsein entstehen Menschenträume: Vorstellungen von einem besseren Leben, von Zugehörigkeit, Freiheit oder Sinn.
Diese Träume suchen nach Ausdruck in konkreten Menschenräumen – in der Art, wie wir wohnen, arbeiten, lernen und zusammenleben. Räume sind damit Ausdruck menschlichen Bewusstseins und zugleich dessen Resonanzraum. Bewusst-sein versteht sich als Raum der Reflexion, in dem persönliche und gesellschaftliche Aspekte sichtbar werden.
Ein paar Appetithappen und die Überlegungen der Künstler*innen zeigen wir vorab.
Alice Rudolph Hinse: “There’s a storm inside me”
Der „Sturm“ steht als Metapher für das innere Erleben des Menschen. Er symbolisiert die Vielzahl an Gedanken, Emotionen und inneren Konflikten, die das Bewusstsein in ständiger Bewegung halten. Bewusst-sein erscheint hier nicht als Ruhe oder Klarheit, sondern als ein dynamischer Prozess, in dem sich das Selbst immer wieder neu formt.
Die kreisenden Wolken verweisen auf gedankliche Muster, Zweifel und Fragen, die das innere Erleben strukturieren. Sie zeigen, dass das Bewusstsein selten leer ist, sondern von inneren Bildern und Gefühlen durchzogen wird.
Gleichzeitig deutet die Haltung der Figur darauf hin, dass der Mensch dem inneren Sturm nicht ausgeliefert ist. Bewusst-sein bedeutet hier, das eigene innere Wetter wahrzunehmen, ohne sich mit ihm zu identifizieren. Im Erkennen und Annehmen dieser inneren Bewegung liegt die Möglichkeit zur Selbstreflexion und inneren Reifung.

Birgit Schmidmeier: „My heart will go on“
In diesem Hochhaus bin ich aufgewachsen. In einer Wohnung im Erdgeschoss. Nici, meine Seelenschwester, hätte genau darüber im 6. Stock gewohnt. Hätte?
Unsere Mamas waren zur gleichen Zeit mit uns schwanger. Doch Nici kam nach der Geburt nicht nach Hause, weil sie 12 Tage nach der Geburt im Krankenhaus starb. Nicis Mama, seit 35 Jahren meine Stiefmutter, lebt immer noch in dieser Wohnung.

Räume können sich so unfassbar leer anfühlen, wenn die Menschen, die da sein sollten, nicht da sind. Nie mehr da sein werden. In einem Moment noch die Freude auf das langersehnte Wunschkind. Im nächsten Moment nur Leere und unerträgliche Stille.
Was tun mit dieser Stille? Wir können lauschen. Nach innen. Und sehen. Mit geschlossenen Augen. Und spüren. Die Liebe in unserem Herzen. Ein liebevoller Gedanke an diesen verstorbenen Lieblingsmenschen genügt – und die Verbindung steht – im gleichen Raum, nur eine andere Frequenz. Zuverlässiger als jede Telefonleitung. Je mehr man sich diesem Moment mit geöffnetem Herzen hingibt, desto besser ist der Empfang. In diesen Momenten tritt das eigene Menschsein und der Raum in den Hintergrund.
Wir sind pure Seele, freier Geist. Frei wie der Wind tanzen wir voller Freude mit den geliebten Jenseitigen und genießen gemeinsam das ewige Leben. Immer und überall – außerhalb von Raum und Zeit. Denn die Ewigkeit ist immer JETZT.
Ludwig Thoma: A3 Sketch, D
Damit halte ich einen Raum fest, der für mich zwischen Erinnerung und Auflösung existiert. Die skizzenhaften Linien und die bewusst brüchige Farbigkeit nutze ich, um ein Gefühl von Vergänglichkeit zu erzeugen. Möbel, Pflanzen und Wände sind nur angedeutet, fast so, als würden sie sich gerade aus dem Bild zurückziehen. Mich interessiert dabei weniger das Konkrete als die Stimmung: ein leiser, melancholischer Moment, in dem Zeit und Raum instabil werden. Die digitale Oberfläche unterstützt diesen Eindruck und lässt das Bild wie ein verblassendes Fragment eines inneren Zustands wirken.
